Islamisches Gotteshaus

©Dipl.-Ing. Walter Schober

Islamisches Gotteshaus

Der Ursprung des islamischen Gotteshauses

Sofort nach seiner Ankunft in Medina ließ Mohammad einen Platz reinigen, um ihn für das Gebet zu nutzen. Grundsätzlich ist für das Gebet, die rituelle Pflicht des Moslems, kein Gebäude notwendig. Ein hadith besagt, daß, wo auch immer die Stunde des Gebetes einen Gläubigen erreicht, er seine heilige Pflicht zu erfüllen habe und er damit den Ort zur masdschid (arab.: “sich niederwerfen”) erhebt. Der Islam aber ist nicht nur ein rein privates Bekenntnis, sondern das einer Gemeinschaft, die sich im gemeinsamen Ritus manifestiert.

Das Haus, das sich der Prophet in Medina erbaute, darf man sich mit einem geräumigen Hof vorstellen, begrenzt von Lehmmauern, an der Südseite ein Schattendach, analog dazu eines an der Nordseite für die ärmsten der Gemeinde als Dauergäste und Wohnhütten an den Seitenwänden. Die Bedeutung dieses Ortes war also eine dreifache: Erstens die Heimstatt des Propheten, zweitens soziales Zentrum der Gemeinde und drittens natürlich Stätte des gemeinschaftlichen Gebetes. Nach Mohammads Tod wohnten die ersten drei Kalifen in diesem Haus, das, da Ali nach Kufa übersiedelte (657n. Chr.), zur masdschid umgestaltet wurde.

Die Ausbreitung der neuen Religion machte die Errichtung von Masdschids auch in den eroberten Gebieten notwendig: Orte des Gebetes und Appellplätze für die Besatzungstruppe zugleich. Zur Unterscheidung von Christen und Juden wurde der Freitag als Wochenfeiertag festgeschrieben. Zumindest an diesem Tage wurde das gemeinschaftliche Mittagsgebet zur Pflicht eines jeden Moslems, da an diesem auch die neuen Befehle an die Truppe ausgegeben wurden und aus dem Koran rezitiert wurde. Diese freitäglichen Versammlungen wurden später formelhaft ritualisiert.

Garnisonsmoscheen, wie man diese ersten islamischen Bauschöpfungen bezeichnen könnte, waren sicher ganz einfache Anlagen. So ist es nicht verwunderlich, daß keine im Urzustand erhalten geblieben ist. Allerdings wird z.B.: die Moschee von Kufa im heutigen Irak als ein Geviert, von einem Pfeilschuß Seitenlänge, umgeben von einer Lehmmauer, um es von dem nicht immer reinlichen profanen Alltagstreiben abzusondern, geschildert. Weiters wird beschrieben, daß an der qiblaseite fünfschiffige und gegenüber zweischiffige Portiken zum Schutz vor der glühenden Sonne errichtet worden waren.

Das Haus des Propheten war sicherlich Ur- und Vorbild bei der Errichtung dieser Moscheen gewesen. Das sollte sich auch im kommenden Jahrtausend nicht ändern.

Ursprünglich, dem Appellplatzcharakter und seinen Indikationen folgend, war in jeder Stadt der neu eroberten Gebiete nur jeweils ein “Betplatz der Versammlung” vorgesehen.
Da jedoch Dörfer zu Städten zusammenwuchsen, umliegende Dörfer mit eigener “Freitagsmoschee” dazu kamen, gab es bald mehrere Freitagsmoscheen.

Außerdem wurden des öfteren Christliche oder andere Kultbauten übernommen und dem islamischen Ritus angepaßt. Die Gestaltung und Ausgestaltung des islamischen Bethauses blieb dadurch nicht unbeeinflußt, wie sich noch zeigen sollte.

Also übertrug sich ab dem 9.Jhdt der Name “Dschami” (türk. Camii) auf jede größere Moschee. Die Bezeichnung masdschid (türk. Mescit) wurde nur mehr für kleine Gebetsstätten, wie sie z. B. in Karawansereien errichtet wurden, verwendet. Die weitere Entwicklung erbrachte dieselben verwirrenden Bezeichnungen, wie sie auch im Abendland entstanden, wo die Bezeichnungen: Kirche, Kathedrale, Münster, Basilika, Dom, etc. ihre islamische Entsprechung in masdschid, Moschee, bis hin zur külliye unter den Osmanen, fand. Additiv beigefügte Benennungen, wie der Name des Stifters - Selimiye Cami in Edirne, oder besondere Kennzeichen: Drei Balkone für den Muezzin - üc Serefeli Cami in Edirne, auch eine dominante Farbe - “die Grüne”, (Yesil Cami in Bursa) vervollständigten die Bauwerksbezeichnung und Unverwechselbarkeit.